CAPELLA JENENSIS erhält Bundesmittel für Digitalprojekt „Klingende Thüringer Residenzen“

CAPELLA JENENSIS erhält Bundesmittel für Digitalprojekt „Klingende Thüringer Residenzen“

Berlin/Jena. Das Thüringer Barockorchester Capella Jenensis unter der Leitung von Gerd Amelung erhält für das Digitalprojekt „Klingende Thüringer Residenzen“ im Rahmen des Soforthilfeprogramms für freie Orchester und Ensembles Bundesmittel in Höhe von 81.415 Euro. Ziel ist es, in einer virtuellen Konzertreihe die Musiklandschaft der zahlreichen Thüringer Fürstentümer in ihren prachtvollen Residenzen erfahrbar zu machen. Das 2014 gegründete Ensemble für Alte Musik möchte so neue Wege finden, um mit dem Publikum musikalisch in Kontakt zu treten.
Der erste Filmaufnahme-Termin findet am 17. Juli in Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach statt. Es wird die Orchestersuite g-Moll von Johann Bernhard Bach (1676–1749) eingespielt.
 
Die friedliche Nachbarschaft der Fürstentümer von Ernestinern, Schwarzburgern und Reußen ermöglichte im Thüringen des 17. und 18. Jahrhunderts eine einzigartige Entfaltung der Musiklandschaft, bestehend aus  umfangreichen Hofkapellen, hervorragenden Komponisten und virtuosen Kapellmeistern. Das Thüringer Barockorchester Capella Jenensis hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Einblick in das barocke Musikuniversum der Thüringer Fürstentümer mit ihren architektonischen und kulturellen Schätzen zu geben. Es möchte im Weimarer Schloss Belvedere und im Schloss Ettersburg neben der Musik von Johann Sebastian Bach auch die Werke weniger bekannter Hofkapellmeister wie Adam Drese oder des Hoforganisten Andreas Oswald zum Erklingen bringen. Weiterhin sind Musikvideos aus dem Schloss Friedenstein in Gotha, der Heidecksburg in Rudolstadt, Schloss Wilhelmsthal in Eisenach und den Schlössern von Sondershausen, Altenburg, Meiningen und Greiz mit Komponisten wie Johann Heinrich Erlebach, Andreas Oswald, Adam Drese, Johann Krieger und weiteren Vertretern der Bachfamilie geplant. Um diesen Thüringer Schatz hör- und sichtbar zu machen, werden die repräsentativsten Werke der jeweiligen Komponisten an ihrem Wirkungsort eingespielt, verbunden mit Informationen zur jeweiligen Residenz, ihrer Fürsten und Komponisten. Die glanzvollen Festsäle der Schlösser, die prunkvolle Innenausstattung und die eindrucksvollen Außenansichten sollen so dem digitalen Konzertpublikum nahegebracht werden und die Neugier auf das Kultur- und Reiseland Thüringen wecken.
 
Eine wichtige Quelle stellt hierbei das „Partiturbuch Ludwig“ dar, eine Sammlung von Instrumentalstücken, die vom Gothaer Schreiber und Musiker Jakob Ludwig für die damals größte Bibliothek Europas erstellt wurde. In der nach Herzog August benannten Bibliothek überdauerte es die Jahrhunderte und liefert heute die wichtigsten Informationen über die Musizierpraxis an den Fürstenhöfen Eisenach, Weimar und Arnstadt. Für einige Komponisten stellt es die einzige Quelle dar und ist somit von unschätzbarem Wert für die Musikgeschichte ganz Europas, denn es sind nicht nur Werke von mitteldeutschen Musikern vertreten, sondern auch Kompositionen ihrer Kollegen aus dem nord- und süddeutschen Raum sowie Italien und anderer europäischer Länder. Das Partiturbuch ist bis heute nicht verlegt und ein Großteil der Werke nicht auf Aufnahmeträgern hörbar.
 
Geplant ist es, die digitalen musikalischen Portraits auf den Websites der jeweiligen Thüringer Schlösser und auf diversen Internetkanälen zu repräsentieren.
 
capella-jenensis.de


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